Der Geier in
der Presse
und eine Königin
der Nacht

Diese Nachtkönigin war allerdings
noch nicht bei uns.

BZ-Magazin 97

Zeitung am Sonntag, vom 22. Februar 1998

 


Stadtkurier, vom 27.10.99

25 Jahre "Geier"

Es gibt ihn seit 25 Jahren. Angefangen hat alles mit Angela und Jörg Dittloff, die 1974 die Gaststätte "Reichsadler" pachteten und aus der bürgerlichen Eckkneipe einen Treffpunkt für junge Leute machten. Aufgrund seines besonderen Flairs wurde das Gebäude in der Belfortstraße bald nur noch "Geier" genannt. Prägend für seine Entwicklung waren die Kunden aus dem Einzugsgebiet "Im Grün" und aus der Freiau.

Jetzt also begeht der "Geier" sein 25jähriges Jubiläum. Und das wird am kommenden Wochenende kräftig gefeiert: Mit einem Cocktailabend am Samstag ab 17 Uhr und einem Nachmittagskaffee am Sonntag ab 15 Uhr.

 


Badische Zeitung, vom 30.10.99

Die schweren Holztische tragen die Spuren der Jahrzehnte

Vor 25 Jahren wurde aus dem „Reichsadler“ der „Geier“ – und seitdem hat sich in der linken Szenekneipe kaum etwas verändert

Nur ein paar Schritte vom Lärm der Bahnhofsmeile weg bleibt die Zeit stehen. Jetzt noch schnell an den schreienden Plakaten unter der staubigen Schrift „Reichsadler“ vorbei und hinter der Tür rechts ist alles wie damals - nur ein bisschen abgewetzter: Die schweren Holztische tragen die Spuren der Jahrzehnte, ebenso wie die Gesichter der Stammgäste. ,,Hier hat sich seit 25 Jahren nix verändert“, sagt Stephan Minzberg, der Wirt im Geier, und auch schon Teil des Inventars.

Am Wochenende wird die Freiburger Institution ein Vierteljahrhundert - und das wird gefeiert: Am Samstag steht ein Cocktailabend auf dem Programm mit Livemusik, Kleinkunst und Tombola. Am Sonntag serviert die Truppe ab 15 Uhr den Nachmittagscafe.

Angefangen hat alles 1974 mit Angela und Jörg Dittloff, die aus dem gediegenem Gasthaus eine Kneipe für junge Leute machten. Wie sich das für einen linken Szeneschuppen gehört, wurde der Reichsadler oder ,,Geier“, wie er schon damals hieß, von einem Mitarbeiterkollektiv getragen. 1976 übernahm dann Minzberg, als neuer Pächter und - ließ alles beim alten. Wieso denn ändern, im Geier war auch so genug los: Hier trafen sich die Leute aus den besetzten Häusern im Grün, Alt-68er und Protestbewegte finden bis heute hier ihr Biotop. 1978 schauten sogar mal Herbert Marcuse und Rudi Dutschke rein, freilich nicht auf ein Bierchen, sondern um auf einer Veranstaltung des Jos Fritz zu sprechen.

Die Zeiten sind ruhig geworden in den letzten zehn Jahren, findet Minzberg mit einem Schuß Wehmut. ,,Nur beim Studentenstreik im Herbst 1997 war der Laden voll wie in alten Zeiten.“

Seit einem Jahr hängt der Geier auch sicht-bar vor der Kneipe in der Belfortstr. 38

Jetzt dominieren wieder die Stammgäste, Leute wie Mathias Wohlleber, dem der Geier nach über 20 Treuejahren zum ,,zweiten Wohnzimmer“ geworden ist. Ein eigener Kodex herrsche hier, meint Stammgast Gabi Zink, eine Hierarchie der Tische, geordnet nach Stammgästen und Neueinsteigern. ,,Wenn Du am Tresen geduldet wirst, hast Du's geschafft“, meint Gabi. Ansonsten ist man sich einig am Tisch: ,,Es ist angenehm, dass sich hier nichts ändert.“

Wer es denn unbedingt moderner haben will, kann seit einem Dreiviertel Jahr unter www.DerGeier.de eine astreine Webseite besuchen. Wenigstens virtuell schleicht sich der Wandel ein, auch wenn Minzberg als computerloser Wirt nicht so recht weiß, was ein Freund da ins Internet gesetzt hat.

Das Vierteljahrhundert am Tresen merkt Minzberg im Kreuz und an den Plattfüssen, doch den schrägen Vogel will er weiterhin steuern. ,,Ich mache weiter - open end", kann er die Fangemeinde beruhigen. Das wünschen sich auch die Veteranen: ,,Dass der Geier durchhält.“ Roland Preuß

 


Der Geier hat dann schon durchgehalten, aber für Stephan war es dann doch zuviel. Im Mai 2007 ist er an Herzversagen verstorben.